Die Tage werden kürzer und das Thermometer zeigt nachts kaum noch Temperaturen über 6 °C an.
Die dunkle und kalte Jahreszeit steht uns bevor. Ich freue mich ja schon ein wenig auf kuschelige Nachmittage vor meinem Kamin mit Tee und Gebäck. Doch merke ich gleich, wenn ich mal länger als ne Stunde kalte Füße habe, ein leichtes Kratzen im Hals. Ich laufe doch so gerne barfuß und weigere mich leider recht lange festes Schuhwerk zu tragen. Aber kalte Füße gehen leider gar nicht.

Viele rennen jetzt den Apotheken und Drogerien die Türen ein und decken sich mit reichlich Pillen und Pülverchen ein, die das Immunsystem und somit das körpereigene Abwehrsystem stärken sollen.
Nahrungsergänzungsmittel … die einen schwören drauf und kommen ohne sie nicht mehr aus und die anderen halten sie für Geldmacherei. Ich liege mit meiner Meinung irgendwo dazwischen.

Der Biochemiker Casimir Funk kurbelte durch seine Entdeckung und den Zusammenhang von Körper und Vitaminen im Jahre 1912 das Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln an.
Damals war aber auch für jeden Skorbut (Vitamin C Mangel) noch ein Begriff. Auch Beriberi ein Vitamin B1 Thiamin-Mangel war bekannt.
Ich persönlich kenne keinen der an Skorbut oder Beriberi leidet und trotzdem V C und V B1 zu sich nimmt😉.
Rund 1 Milliarde Menschen weltweit nehmen Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Eine unglaubliche Industrie! Quasi eine Geld-Druckmaschine! Wie oft las ich schon: Nehmen sie dies und das und sie sehen 20 Jahre jünger aus und fühlen sich fit wie ein Turnschuh!

Ich gebe zu, auch ich habe ein paar dieser Pillen im Haus. Magnesium gegen Muskelkrämpfe (soll auch während der Periode gegen Bauchkrämpfe helfen), Calcium und Selen. Nun gut, irgendwie habe ich wohl auch etwas zu den 100 Milliarden Dollar Umsatz weltweit beigetragen. So wie die meisten von uns.
Das irrwitzige an diesen Nahrungsergänzungsmitteln ist ja, das wir sie uns in den allermeisten Fällen selbst verordnen.

Wenn ich mal wieder meine etwas von dem Zeug zu brauchen, schmeiße ich gut und gerne morgens 5 Pillen ein. Klein und rund, rosa und oval, … von allem etwas. Gar nicht mal so ungefährlich diese selbst verordneten Mittelchen. Schnell und erstmal unbemerkt stellt sich eine Hypervitaminose ein. Eine Überdosis an Vitaminen. Besonders bei der Einnahme von fettlöslichen Vitaminen (A D E K) vor allem bei Vitamin A und D. Ein Überschuss an wasserlöslichen Vitaminen wird über die Nieren aus dem Körper gespült.
Eine ernährungsbedingte Hypervitaminose kann nur durch die Aufnahme von Vitamin A passieren. Dann müsste man aber auch ne Menge Leber essen.

Ich verteufle auf gar keinen Fall Vitaminpräparate wie z.B. Folsäure (ein Vitamin B.) Folsäure ist notwendig für die Zellteilung und kann bei rechtzeitiger Einnahme Missbildungen während der Schwangerschaft bei einem heranwachsenden Kinde verhindern.
Auch halte ich eine Vitamin D Verabreichung im ersten Lebensjahr bei Kleinkindern für sinnvoll. Bei einem Vitamin D Mangel droht den Kleinen eine Rachitis (Knochenerweichung). Diese kann durch die Einnahme von Vitamin D verhindert werden.
Da ich immer wieder mal von Kindern höre, die sich sehr einseitig ernähren, erwähne ich noch den Vitamin A Mangel. Er kommt zwar in Industrieländern so gut wie gar nicht vor doch kann es nicht schaden, zu wissen das eben ein Vitamin A Mangel Blindheit zu Folge haben kann.
Ein Vitaminmangel und eine eventuell nötige Einnahme von Vitaminpräparaten kann durch einen Besuch bei einem Arzt festgestellt werden.

Mit einer ausgewogenen Ernährung ist ein Mangel fast ausgeschlossen. Vielleicht brauchen wir auch ab und an dieses Gefühl unserem Körper etwas Gutes tun zu müssen, um uns besser und noch gesünder zu fühlen. Doch dann könnten wir das Geld, welches wir für Nahrungsergänzungsmittel ausgeben gleich im Klo runter spülen. Da wäre der Weg kürzer, als über die Nieren wieder ausgespült werden zu müssen😉.

Autor: Sybille Schönberger

27. September 2018