Vor ein paar Tagen führte ich ein langes, sehr langes Telefonat mit meiner Freundin. Sie ist meine beste Freundin! Wir kennen uns schon seitdem wir drei Jahre alt sind (quasi erst seit 26 Jahren😉).

Wir können stundenlang über Gott, oder wen auch immer und die Welt quatschen. Das geht entgegengesetzt der Meinung vieler nicht mit jeder Freundin. Muss ja auch nicht. Ein hoch auf die Flats😉.

Ein ziemlich aufreibendes Thema war das Kochen. Wir haben wirklich sehr viele gemeinsame Interessen jedoch zählt das Kochen leider nicht dazu. Dem wollte ich Abhilfe schaffen und schenkte ihr vor 20 Jahren ein Anfängerkochbuch mit der Hoffnung, sie für das Kochen begeistern zu können. Doch irgendwie sprang der Funke nicht über. Na gut, es muss ja auch nicht jeder in Begeisterungsstürme verfallen, wenn es ums Thema Kochen geht. Das sichert uns Köchen den Job!

Als ich ein paar Jahre später Küchenchefin im Restaurant Hessler wurde, lud ich sie (zu diesem Zeitpunkt hoch schwanger) zu einem wunderbaren Petit Gourmet Menü ein. Ich liebe dieses Menü noch heute. Es bestand aus unglaublich vielen kleinen Gängen. So ermöglichten wir damals unseren Gästen unsere Gerichte und somit unseren Koch Stil kennenzulernen.

Jedes Mal, wenn Freunde zu mir ins Restaurant kamen, war ich aufgeregt und freute mich dennoch tierisch! Jetzt saß meine beste Freundin (hoch schwanger) mit ihrem Mann im Restaurant. Sie wurden von meinem Team und mir liebevoll umsorgt bis, und ich weiß es noch, als sei es gestern gewesen ich ihnen ein Schokoladen – Pfeffer – Eis servierte. Ich stellte es ab, wünschte einen guten Appetit und verließ wieder den Tisch. Etwas später kam ich zu ihnen an den Tisch, um die Teller abzuräumen und zu fragen, wie es denn geschmeckt hat und meine allerbeste Freundin fragte mich, was mir denn einfallen würde, dass gute Schokoladeneis mit Pfeffer zu verhunzen. Ich schluckte zweimal und schob es einfach auf die Hormone😉.

Zurück zu unserem Telefonat. Sie, die nicht wirklich etwas mit Kochen zu tun hat fragte mich doch wirklich und tot ernst, wie sie denn nun endlich mal das Kochen anfangen könnte. Ach du je, ich wurde kreidebleich. Gut, dass sie es nicht sehen konnte, denn mir gingen Geschichten wie Nudeln in kaltem Wasser kochen, drei Minuten Hackbällchen aus der Mikrowelle, Tomatensauce aus dem Glas mit den passenden Nudeln gepackt durch den Kopf. Sie fragte mich, was sie denn mit den gelben Zucchini aus dem Garten ihrer Schwiegermutter anstellen solle. Ich faselte was von Olivenöl, Knoblauch, Thymian, Tomaten, Backofen und Kartoffeln. Und in dem Moment als ich das, was für mich selbstverständlich war sagte, wurde mir klar, dass das für sie wie chinesisch klingen musste. Ich zog die Handbremse an und erklärte es ihr Schritt für Schritt.

Sie ist schon ein ganz besonderer und einzigartiger Mensch den ich nicht mehr missen möchte doch in Bezug auf das Thema Kochen leider kein Einzelfall.

Es gibt viele Gründe warum sich Menschen nicht mit ihrer Ernährung auseinandersetzen. Die mit der scheißegal Einstellung Hauptsache was zum Beißen. Die, die schlichtweg zu faul sind und immer ein anderer für das Kochen zuständig war und Zeitmangel. Es ist aber auch eine Frage des Bildungsstandes.

Es sind immer noch viel zu wenige, die sich über ihre Ernährung wirklich Gedanken machen. Und ich meine hier noch nicht einmal die Frage nach dem Zuckeranteil oder Kohlenhydrate ja oder nein etc. Hier geht es erst einmal darum, bewusst frische und gute Lebensmittel einzukaufen und diese auch zu verwenden. Im Idealfall entsteht daraus ein schmackiges Gericht.

Zu verführerisch sind aber auch die vollgestopften Regale mit vorgefertigten, oder mit fertigen Produkten.

Klar gibt es Trillionen Kochbücher mit hervorragenden Gerichten, die unglaublich schön bebildert sind.
Doch kann ich mir gut vorstellen, dass jemand der sich gerade erst mit dem Thema frisch kochen auseinandersetzt, und sei es mit 29 +12 (es ist nie zu spät!!), dass genau diese Bilder dafür sorgen, dass eben nicht frisch gekocht wird und das schnell Gedanken entstehen könnten wie: Das kann ich doch eh nicht! Wie haben die das geschnitten? Wo bekomme ich das her? … viel zu viele Fragen und Selbstzweifel die aufkommen und dann werden es doch wieder die Spaghetti mit fertiger Tomatensauce. Leider.

Ich bin der Meinung, einfach bunt und lecker muss es sein! Ohne Chi Chi und aufwendigen Techniken. Probieren geht über Studieren. Die Freude am Experimentieren und Probieren entdecken, erleichtert den Einstieg ungemein!
Wenn dann noch die Freude in der Familie geteilt wird und der Partner und die Kinder beim Einkaufen und Zubereiten der frischen Produkte helfen, kann sich am Tisch beim Essen doch keiner beschweren😉.

Nehmt euch vor euer Lieblingsgericht, welches aus Dosen und Tütenkram besteht, mal frisch zuzubereiten oder überlegt euch gemeinsam, mit welchem Gemüse ihr einmal kochen möchtet und sucht euch dazu ein leichtes Gericht aus. Hier ist das Internet der perfekte Partner. Einfach mal z. B. Gerichte mit gelben Zucchini in der Suchmaschine eingeben und in sekundenschnelle habt ihr Bilder und Rezepte. Und statt zum hundertsten Mal am Wochenende in den Zoo oder ins Schwimmbad zu gehen, kocht ihr gemeinsam. Jeder bekommt eine Aufgabe die er sich mehr oder weniger freiwillig aussucht. Auch die kleinsten können schon schnippeln und eine echte Hilfe sein! Oma und Opa einzuladen ist auch ne super Möglichkeit sich noch den ein oder anderen Kniff beim Kochen abzuschauen.

Ihr müsst nicht gleich alle Gewohnheiten über den Haufen werfen und von heute auf morgen alles ändern. Ich bin ja auch ein großer Fan der Vorschlaghammermethode, doch ist sie nicht wirklich immer die beste Methode etwas zu ändern. Langsam und mit Freude gelingt es bestimmt! Und es ist ein Anfang!!

Autor: Sybille Schönberger

11. September 2018