Ich meine ja, dass es mittlerweile bei jedem angekommen sein müsste, wie wichtig die Ernährung unserer Kinder ist! Doch da bin ich im Irrglauben! Bei weitem ist das noch nicht bei jedem angekommen. Schauen Eltern und Industrie einfach weg? Was ist, mit der Verantwortung die Eltern übernehmen so bald so ein Würmchen für einen positiven Schwangerschaftstest sorgt?
Hier in Hessen hat Anfang August die Schule wieder begonnen und für den jüngsten Spross der Familie stand ein Schulwechsel an. Alle Eltern und Kinder finden sich an der Schule ein und es wird ein wunderbarer Empfang bereitet und die älteren Schüler der Schule sorgen für ein (manchmal sehr schräges) Show Programm.

Die beste Gelegenheit für mich als Köchin, Ernährungsfreak und angehende Ernährungsberaterin mal ein besonderes Auge auf die Kinder zu werfen. Das ist dieses Ding, wie zum Beispiel als der Wunsch in mir wuchs schwanger zu werden, sah ich plötzlich nur noch schwangere Frauen oder Frauen mit Babys. Ich glaube ihr wisst was ich meine. Als ich mir nun so die Kinder betrachtete fiel mir auf und das bestimmt nicht nur mir, dass viele Kinder um genau zu sein die meisten Kinder ein Gewichtsproblem haben. Überwiegend sind die Kinder schlichtweg zu dick! Es gibt aber auch Kinder, die erschreckend dünn sind. Oft ist es bei den zu dünnen Kindern krankhaft bedingt doch bei den zu dicken Kindern werden Krankheiten durch das Übergewicht verursacht. Diabetes, Gelenkerkrankungen und Herzleiden. Die zu dicken Kinder sind dazu kurzatmig und schwitzen übermäßig.

Ich bin knallhart und ziehe die Eltern dieser Kinder in ihre Verantwortung! Schaut ihr einfach weg? Wann habt ihr die Kontrolle verloren? Resignation? Das macht mich wütend!! Denn die Kinder sind an ihrer Misere nur selten bis gar nicht schuld!

Es ist wie bei uns Erwachsenen auch: Wir wachen morgens nicht auf und sind plötzlich wie aus heiterem Himmel fett (ja genau FETT)! Das ist nicht so, wie in manchen Filmen, die aus der Phantasie von sehr kreativen Regisseuren entsprungen sind! Dick werden ist ein langsamer und schleichender Prozess, doch durchaus optisch wahrnehmbar! Zuerst ist es der ach so niedliche Babyspeck: „Ach, das Kleine hat doch nur noch etwas Babyspeck!“ Euer Ernst? Dann ist es die wenige Bewegung und wer ist schuld? Natürlich die gemeinen elektronischen Geräte wie die Handys und diverse Spielekonsolen. Nein!! Die Eltern der Kinder haben Schuld.

Da hier zwar die Frage der Schuld eindeutig ist, ist eine Schuldzuweisung nicht die Lösung des Problems.

Die Kinder sind in einem Hamsterrad gefangen und die Opfer ihrer Eltern. Die Kinder merken, dass sie zu dick sind. Spätestens, wenn andere Kinder anfangen sie zu hänseln oder gar zu mobben. Ein schrecklicher Leidensweg nimmt seinen Lauf. Wir Eltern müssen genau hinschauen und erkennen, dass ein akuter Handlungsbedarf besteht und wenn wir das alleine nicht schaffen, sind wir verpflichtet uns Hilfe zu suchen. Wegschauen und das Problem klein halten ist keine Lösung!

Wer jetzt meint, das sei ja nur ein Problem der „Unterschicht“ also der weniger gebildeten liegt sowas von falsch! Es betrifft alle! Das nur mal so nebenbei erwähnt.

OK, genug geschimpft jetzt geht’s an die Bekämpfung!!

Ich bin kein großer Freund von Diätprodukten. Diese schüren nur noch mehr das Verlangen nach Fett und Zucker. Außerdem verursacht bei mir allein schon der Begriff Diät, dass mir förmlich das Wasser im Mund zusammenläuft und ich den Kühlschrank samt der Süßigkeiten – Kiste plündern könnte. Also streiche ich das Wort DIÄT aus meinem Wortschatz.

Der erste Weg sollte sowieso zum Arzt führen. Ein Gesundheits-Check-up kann nicht schaden und könnte ja auch zur Ursachenfindung beitragen. Es liegt zwar selten ein medizinisches Problem ob physischer oder psychischer Natur zugrunde, doch auszuschließen ist es nicht. Dann sind die Essgewohnheiten zu Hause dran. Gesüßte Getränke egal welches, ob Apfelsaft oder Fanta fliegen raus. Wasser ist das Getränk der Wahl. Fertigprodukte gehören verbannt. Vorgefertigte Produkte wie naturbelassenes/ungewürztes Tiefkühlgemüse ist durchaus OK. Zucker und Fett in kleinsten Mengen verwenden. Und genau jetzt wird es schwierig und eigentlich bedarf es einer genauen Mengenangabe hierfür. Denn jeder hat eine andere Auffassung, was nun kleine Mengen sind. Genau wie ab und zu mal. Doch auch hier gibt es Tabellen und Richtwerte für den Tagesbedarf. Krankenkassen und auch das Institut für Ernährung informieren darüber. Auch gibt es Ernährungsberater, die sich auf Kinder spezialisiert haben.

Eins ist jedoch völlig sinnlos: Wenn das Kind als einziger in der Familie seine Ernährung umstellen muss. Mitgehangen, mitgefangen! Der Spaß und die Neugier an frischen, bunten, duftenden und schmackigen Zutaten muss geweckt werden!

Es ist eine Mammutaufgabe und gehört definitiv nicht zu den leichtesten, aber wir als Eltern haben die Pflicht unseren Kindern zu helfen und je früher wir die Notbremse ziehen und erkennen, dass es so nicht weiter gehen kann, umso leichter wird es!

Seid mutig und helft euren Kindern! Gesteht euch ein, dass ihr Hilfe braucht und nehmt sie an.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es sehr schwer ist sich einzugestehen, dass man als Elternteil was die Ernährung angeht versagt hat. Doch ist die Ernährung nur ein kleiner, wenn auch sehr wichtiger Teil unserer Aufgaben als Eltern. Zeigt euren Kindern, dass ihr mit ihnen gemeinsam das Problem angeht und für sie da seid und gebt ihnen das Gefühl, diese Mammutaufgabe nicht alleine meistern zu müssen.

Autor: Sybille Schönberger

13. September 2018