Iiiiiii, das schmeckt ja ekelhaft nach Fisch!

Falsch!

Aber warum nur? In vielen Köpfen ist ein etwas muffiger und ammoniakalischer Geschmack als fischig verankert. Doch dann ist der Fisch verdorben! Frischer Fisch schmeckt überhaupt nicht muffig und schon gar nicht übel nach Ammoniak!
Die meisten Menschen, die keinen Fisch mögen, hatten leider noch nicht das Vergnügen fangfrischen Fisch genießen zu dürfen.

Jeder Fisch unterscheidet sich nicht nur im Aussehen, sondern natürlich auch im Geschmack und in der Konsistenz. Auch sind die Lebensräume entscheidend für den Geschmack des Fisches.

Ich finde, Salzwasserfische schmecken klar nach der Weite das Meeres und haben eine kleine, angenehme Kante im Mundgefühl. Süßwasserfische hingegen sorgen für ein runderes Mundgefühl. Nehmen aber stark den Geschmack ihres Lebensraumes an. Fische aus ruhigen und schlammigen Gewässern schmecken auch etwas danach.

Angler lassen diese Fische eine Nacht in klarem Wasser verbringen, bevor sie getötet werden. So entschlammen die Fische und von dem doch etwas unangenehmen Geschmack ist kaum noch etwas zu schmecken. Zum Glück sind dies nur wenige Süßwasserfische. Der Karpfen ist so ein spezieller Kandidat. Aber auch er schmeckt nach einer Nacht in klarem Wasser, wenn er dann ordentlich zubereitet wird.

Mein Vater war passionierter Angler und ich bin mit fangfrischen Süßwasserfischen aufgewachsen. Für mich gehörte es zu den absoluten Highlights mit meinem Vater mitten in der Nacht aufzustehen, um uns mit Sack und Pack auf den Weg zu einem nahen gelegenen Anglersee zu machen. An solch einem See herrscht zu dieser Zeit eine unglaubliche Ruhe! Der Tau liegt wie Perlen auf den Gräsern und irgendwie kommt das Gefühl auf, mit der Natur eins zu sein. Die Angelruten wurden mit selbst gemachten Ködern bestückt. Meist war es ein Teig aus Mehl, Wasser und Mais, der am Vorabend zusammengerührt und zu kleinen Kugeln geformt wurde. Der Köcher wurde ans Ufer gelegt um die gefangenen Fische lebend darin aufzubewahren. Am aufregendsten war der Aalfang! Ist er schneller vom Haken gewesen, als mein Vater ihn greifen konnte, mussten wir den Aal regelrecht im Gras jagen!

Am Vormittag packten wir unsere Beute zusammen und brachten sie nach Hause. Das folgende Spektakel war so unglaublich lustig! Nun war meine Mutter an der Reihe. Arbeitsteilung eben 😉 sie sollte die frischen, getöteten und ausgenommenen Fische putzen. Da die Fische so frisch waren, hatten sie immer noch nervenbedingte Zuckungen und sprangen nicht selten meiner Mutter aus dem Spülbecken. Sie quiekte und schrie. Es war so lustig ;).

Nun hat nicht jeder das Glück einen Angler in seinem unmittelbaren Umfeld zu haben.

Woran erkenn ich nun frischen Fisch?

Frische Fische haben rote Kiemen und klare Augen! Bei leichtem Druck auf die Haut ist diese im Idealfall elastisch und spannt sich wieder. Bei älterem Fisch bleibt eine Delle. Auch sind eine intakte Schleimschicht sowie festsitzende Schuppen ein Frischemerkmal.

Nu ist nicht jeder Fisch im Ganzen zu bekommen. Was nun? Hier müssen wir uns auf unseren Geruchssinn verlassen!

Das Fischfilet darf nicht unangenehm riechen!! Auch darf es keine schmierige Schicht haben.
Jetzt zu Grillsaison greift der ein oder andere doch gerne mal zu mariniertem Fisch und Fleisch vom Supermarkt aus der Frischetheke. Ich rate dringend vom Kauf ab!

So mancher Schlauberger meint, mit einer Marinade ein schon schlechtes Stück Fisch oder Fleisch wieder reanimieren zu können. Die ganz krassen überdecken den schon wahrnehmbaren Gammel Geruch nur, um das nicht abverkaufte Lebensmittel noch an den Mann/die Frau zu bringen.

Dann bitte frischen Fisch und frisches Fleisch kaufen und selbst marinieren.

So eine Marinade ist ratz fatz angerührt.

Etwas Olivenöl mit Kräutern und Gewürzen nach Belieben verrühren. Bitte auf Salz in der Marinade verzichten! Das entzieht dem guten Stück das Wasser. Erst kurz vor dem Grillen salzen!
Fleisch kann über Nacht in der Marinade liegen. Beim Fisch reichen schon 4 Stunden in der Marinade.

Hier ein paar Rezeptvorschläge:

-Erdnuss Marinade: 150 ml Olivenöl, 1 Chilischote klein geschnitten, 3 EL Erdnussbutter und etwas Abrieb von der Bio Zitrone und ¼ TL Currypulver

-Asia Marinade: 100 ml Olivenöl, 50 ml Sesamöl, 1 Bund Koriander fein geschnitten, eine Stange Zitronengras zuerst geklopft und dann fein geschnitten, Abrieb von einer Limone, 1 Chilischote fein geschnitten

-Kaffee Marinade: 100 ml Olivenöl, 2 EL Kaffeebohnen gemörsert, 2 EL getrocknete Himbeeren, Pfeffer und 2 EL Petersilie

Einfache Marinaden mit Pfiff😉

Selbstgemacht schmeckts immer besser!

Und frischer Fisch riecht gut!

Bitte streicht aus eurem Wortschatz: „das stinkt fischig!“
Wir sprechen bei schlechtem Fleisch ja auch nicht von: „das stinkt fleischig😉.“

Autor: Sybille Schönberger

03.07.2018