Als ich vor 23 Jahren die Ausbildung zur Köchin begann, lernte ich den Umgang und die Verarbeitung sämtlicher Lebensmittel, die uns die Natur zu bieten hat. Frischen Fisch filetieren, Fleisch zerwirken, frisches Gemüse zubereiten, Suppen und Soßen ansetzen, Terrinen und Galantinen basteln, bardieren und spicken all diese Dinge und viel mehr lernte ich im Betrieb und in der Berufsschule.Koch

Die einzige Abteilung, die etwas auf der Strecke blieb war die Patisserie. Eine ein Mann Abteilung in meinem Lehrbetrieb. Leider☹. Wir verwendeten, für eine bunte Vielfalt an Mousse Aromen aus der Dose. Kuchen und Co kamen fix und fertig aus dem Tiefkühler. Für einen ein Mann Bereich eine wirkliche Arbeitserleichterung doch aus heutiger Sicht für jeden Kochlehrling ein Albtraum.

Koch ist immer noch ein Traumberuf doch sämtliche Statistiken belegen, dass er sich immer mehr zu einem Albtraum entwickelt. Die meisten Koch-Azubis (eine verschwindend geringe Anzahl) schließen ihre Ausbildung mit ausreichend ab. Wenn sie denn die Prüfung überhaupt schaffen.

Vor einigen Jahren diskutierte ich mit einer Dame aus dem IHK Prüfungsausschuss. Sie war der Meinung, man müsse die Anforderungen an die Kochlehrlinge herabsetzen denn die meisten Betriebe würden wenig frische Lebensmittel verwenden. Sie meinte: „Wer filetiert denn heute noch frischen Fisch in der Küche?“ Ich war natürlich anderer Meinung und wir gerieten lautstark aneinander.

Wenn ich erzähle, dass ich Köchin bin, sind die Menschen begeistert und erwähnen im selben Atemzug, dass sie ja auch gerne kochen. Ich finde das mega, dass sich doch immer mehr Menschen wieder hinter den Herd und an die Kochtöpfe trauen. Doch genau deshalb ist es so wichtig, dass der Beruf des Kochs anspruchsvoller wird! Jeder Mensch muss sich mit dem Thema Kochen und Nahrungsaufnahme beschäftigen und mittlerweile gibt es mehr richtig gute Hobbyköche als gute Köche. Wirklich traurig.

Ich bin überhaupt nicht verwundert darüber, dass die jungen Menschen den Beruf des Kochs nicht mehr ergreifen wollen. Warum auch? Um im Lehrbetrieb für kleines Geld und beschissenenArbeitszeiten Tüten aufzuschneiden? Dann sollte für diese Tätigkeit der Beruf des Lebensmittelerwärmers eingeführt werde. Denn mit kochen hat das nichts zu tun!!!

Das große Kotzen bekomme ich, wenn ich sehe wie ganze Gerichte in ihren einzelnen Komponenten, in Portionsbeuteln angeboten werden. Dabei werden Unmengen an Plastikmüll produziert.

Doch wer mit Begeisterung und Ehrgeiz diesen Beruf erlernt und ausübt, kommt zumindest mit den Arbeitszeiten klar. Ärzte schieben auch 24 Stundenschichten und tragen die Verantwortung für Menschenleben. Wir Köche dürfen auch nicht jeden Pilz im Wald sammeln, zubereiten und an unsere Gäste verkaufen. Ja, das ist jetzt etwas überspitzt doch gar nicht mal so weit weg.

Gute Köche können und müssen auch gutes Geld verdienen! Doch dafür müssen wir auch gute Köche ausbilden! Die Köche, die sich Meister und Ausbilder nennen, sind in der Pflicht den Nachwuchs auch meisterlich auszubilden. Wer das nicht bieten kann, darf nicht ausbilden.

Viele Betriebe schicken ihre Auszubildenden nur auf entsprechende Schulungen, um den Ausbildungsleitfaden einzuhalten. Übung macht den Meister, sage ich da nur! Eine einmalige Schulung nur damit der Azubi sagen kann, er habe schon mal einen Fisch filetiert ergibt für mich überhaupt keinen Sinn.

Für mich verliert dieser wunderbare Beruf immer mehr an Wertigkeit.

Wir müssen diesem Beruf seine Wertigkeit wieder zurückgeben!! Ihn wieder zu einem Traumberuf werden lassen! Dann können uns auch Hobbyköche nicht mehr das Wasser reichen😉.

Autor: Sybille Schönberger

02. Oktober 2018