Ich male ja ungern den Teufel an die Wand, doch es ist wie jedes Jahr und das schon wirklich sehr viele Jahrtausende lang: der Herbst steht vor der Tür!!

Ich muss aufpassen, dass ich jetzt nicht in unrealistische Begeisterungsstürme verfalle, aber ich liebe den Herbst! Es gibt für mich keine schönere Jahreszeit!! Der Herbst ist so unglaublich bunt und er riecht soooo gut! Die goldenen Blätter werden von den Herbststürmchen durch die Luft gewirbelt und es gleicht einer Zauberwelt! Nun gibt es eine bunte Vielfalt an Obst, Gemüse, Pilzen und Nüssen wie sonst im ganzen Jahr nicht. Ich könnte Tag und Nacht mit dem Sammeln und Verarbeiten der Früchte des Herbstes verbringen.

Die Tage werden wieder kürzer und es wird kälter. Das heißt, wir können auch mal wieder eine heiße Suppe vertragen. Meine Jungs und ich lieben Hühnersuppe. Es gibt die schnelle Variante: etwas gewürfelte Hähnchenbrust in wenig Öl anbraten, aus dem Topf nehmen und nun bunt gewürfeltes Gemüse in den Topf geben. Anschwitzen und mit Hühnerbrühe (im besten Fall) aufgießen. Sobald das Gemüse gar ist, das Fleisch hinzugeben und mit Kräutern und Gewürzen abschmecken. Vielleicht noch etwas separat gekochten Reis dazugeben. Das ist ne Sache von maximal einer halben Stunde.

Das geht mal, doch am besten ist immer noch die „klassische“ Variante. Hierfür benutze ich den Schnellkochtopf von der Schwiegermutter einer Freundin. Meine Freundin räumte den Keller auf und wusste nicht so recht, was sie mit dem Ding anfangen soll und überließ ihn mir. Ich nahm ihn dankend aber doch mit sehr gemischten Gefühlen an.

Ist euch schon mal so ein Ding um die Ohren gesaust? Mir schon!!

Ich war noch ein Teenager und hatte mit dem Kochen noch nicht wirklich viel am Hut. Doch sah ich meiner Mutter schon sehr genau auf die Finger, wenn sie kochte. Meine Mutter setzte Hühnersuppe an und bat mich auf den Schnellkochtopf zu achten. Mehr Info gab es nicht wirklich. Na ja eigentlich erklärt sich die Handhabe solch eines Topfes ja auch von selbst. Grün = alles ist in bester Ordnung, gelb = du könntest mal die Temperatur etwas runterdrehen und rot = vom Herd nehmen und ein nasses, kaltes Tuch auf den Deckel legen! Das mit dem rot und dem Tuch kam bei mir damals nicht wirklich an und ich schenkte dem Topf, der schon ab und zu merkwürdig zischte, nicht wirklich Beachtung. Der kleine Schnippel am Deckel, der schon so weit wie es nur ging, vom Druck im Inneren nach oben stand, ließ mit dann doch mal nach dem Topf schauen. Und als ich mich gemütlich auf den Weg zum Topf begab, spritzte auch schon die leckere Hühnerbrühe durch die Küche. Des Dampfablassventils sei Dank, das die Suppe Richtung Wand spritzte und nicht in mein Gesicht. Ich zog den Topf vom Herd ins Spülbecken und ließ kaltes Wasser darüber laufen (mit Sicherheit, keine bewusste, sondern eine rein intuitive Handlung).

Der Topf war gesichert, doch die Küche sah aus, omg! Ich schnappte mir das Putzzeug und begann die Spuren des Unglücks zu beseitigen. Meine Mutter wunderte sich nur über die wenige Suppe im Topf und ich schwieg dazu.

Dann hatte sich das Thema Schnellkochtopf erledigt. Während meiner Kochlehre und auch danach kam ich nicht mehr mit diesem gefährlichen Ding in Berührung, bis eben meine Freundin meinte mir einen schenken zu müssen. Ganz ehrlich, ich bin ihr sehr dankbar!

Diese Töpfe sind wahre Schätze in der Küche. Ich benutze ihn ständig! Gulasch, Tafelspitz, Hühnerbrühe, Rotkraut, … das gelingt alles super im Schnellkochtopf. Rein in den Topf, Deckel darauf, einmal aufkochen lassen, sich für einen kurzen Augenblick in Gefahr begeben, abwarten bis das Überdruckventil den roten Ring preisgibt und dann die Temperatur auf mittlere Stufe runterstellen.

Die Leckereien aus dem Schnellkochtopf sind so aromatisch, unglaublich lecker und zart.

Ich will nicht in Plastikbeuteln kochen wie bei dem so gelobten Sous – vide Verfahren. Ich bevorzuge lieber den gefährlichen😉 Schnellkochtopf! (für das Gefährliche hatte ich schon immer etwas übrig) Da ist auch eine leckere Hühnersuppe klassisch zubereitet kein Hexenwerk. Ich putze mir etwas Suppengemüse und lege es mit ein paar Champignons und Tomaten in großen Stücken in den Topf. Darauf kommt ein glückliches Hähnchen. Das Ganze begieße ich mit Wasser, sodass das Huhn zu zwei Drittel bedeckt ist. Dazu gebe ich Knoblauch, Liebstöckel, Petersilie, Thymian, Salbei, Piment, Lorbeer, Senfkörner, Pfeffer und Salz. Deckel darauf und auf den Herd. Während das Hühnchen gart, schnippele ich mir etwas Gemüse als Einlage: Staudensellerie, Karotten, Blumenkohl, Lauch und Champignons. Da von uns jeder etwas anderes mag, koche ich Reis, Kartoffeln und Nudeln separat. So kann sich jeder nehmen was er möchte (ja, ich gebe zu ein bisschen drüber ABER für zufriedene Gesichter und des Huhnes wegen, kann‘s gar nicht genug drüber sein!).

Nach ca. 2 ½ Stunden ist das glückliche Hähnchen gar. Und wer jetzt an ein trockenes Suppenhuhn denkt, hat weit gefehlt. Sobald der Druck nachlässt und sich der Deckel öffnen lässt, strömt ein intensiver wohliger Hühnersuppengeruch aus dem Topf und flutet das Haus samt Nachbarschaft.

Zuerst nehme ich das Hähnchen aus dem Topf. Dann das Gemüse. Das Gemüse wird püriert und als Brotaufstrich verwendet, mega! Nun kommt das geschnippelte Gemüse in die heiße, goldbraune und klare Brühe, einmal aufwallen lassen. Nebenbei pule ich das Hähnchen. Gott, das ist so saftig!!! Das schiere Fleisch gebe ich zum Gemüse in die Brühe. Für unsere Elli (gefährlicher Wachhund) fällt auch immer ein kleiner Happen ganz zufällig😉 vor ihre Füße (Haut und Knorpel bevorzugt). Ich gebe zu, ein kleiner Aufwand ist es schon, doch er lohnt sich allemal! Das Hühnersuppenbuffet ist eröffnet.

Wir hatten letzten Freitag seit April die erste Hühnersuppe und sogar meine Mutter machte sich auf die Reise, um mit uns zu schlemmen.

Der Herbst ist wundervoll! Endlich wieder heiße und bunte Suppen für das Seelenwohl😊.

Autor: Sybille Schönberger

04. September 2018